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Neuerdings ist es normal, dass sich nicht mehr bedankt wird? Dass Menschen von heute auf Morgen ein anderes Gesicht aufsetzen und einem den Rücken zukehren? Dass shoppen gehen und Geld ausgeben das wichtigste auf der Welt geworden ist?

Mir wird immer wieder gesagt, ich MÜSSTE raus. Raus unter Menschen. So, als würde ich das nie tun. Bin ich aber unter Menschen – außerhalb von meinen geliebten Freizeitbeschäftigungen – stelle ich immer nur noch mehr fest, dass sie komisch sind. Da ist Aussehen und was man trägt, wichtig. Wehe, da ist ein Gramm zuviel. Wehe, man erlaubt sich, seine Lockenmähne zu zelebrieren – und ich hab eine verdammt tolle :-D!

Wehe, man ist mit der Kamera und dem Stativ unterwegs – das sieht man hier nicht oft. Man wird angeschaut, als wäre man ein Alien. Ok, gut, so unrecht haben sie damit ja nicht 😉

Was für Hobbies ich habe? Nun, nicht viele. Mittlerweile verschweige ich schon, dass mein Herz für Schottland schlägt (folgen sowieso nur dumme Sprüche), für das Reenactment, für schöne Aufnahmen, die englische Sprache und meine Küche mit all den Dingen, die ich da machen kann und ganz besonders die Musik. Ich sage auch fast nie, was ich so lese – denn sobald ich auch nur erwähne, dass ich Shakespeare, Dahl, Wilde und Co. liebe, mutiere ich scheinbar zu einem Marsianer.

Aber wisst ihr was? Ich bin stolz drauf! Ich bin stolz, kein Mainstream zu sein! Ich bin stolz, Langeweile genießen zu können, denn davon hab ich nicht wirklich viel. Ich bin stolz, mich noch bedanken zu können und weiß, was Bescheidenheit ist. Ich bin stolz, soviel zu können wie ich kann. Und ich bin stolz, dass mein Leben so erfüllt ist von so vielen schönen Dingen, die ich mir hinein hole. Ich brauche kein shoppen, um glücklich zu sein. Ich brauche keine Menschen um mich herum, um glücklich zu sein. Ich muss nicht ununterbrochen die Forderung an andere stellen, mich zu unterhalten, nur weil ich nicht allein sein kann. Ich bin einfach glücklich mit mir und meinem Leben – trotz diverser Tiefen. Und irgendwo, unter all den Sorgen und den großen und kleinen Katastrophen, versteckt sich immer mein Glück.

Ja, es hat auch seine Schattenseite, anders zu sein – man wird zum Außenseiter. Vor allem in einer Gegend wie der, in der ich lebe. Man wird auch ebenso unterschätzt, beleidigt und als verquer und eigenbrötlerisch abgetan. Da wird man beleidigt mit so Sätzen wie „Du liest doch eh nicht sowas, was ich lese“ (ging um Romane von den Bestsellerlisten) – obwohl ich das in der Tat tue, auch wenn es oft in Form von ungekürzten Hörbüchern ist. Dabei kann man wenigstens noch was mit seinen Händen arbeiten :-), wie Stricken zum Beispiel.

Als ein unabhängiger Mensch mit eigenem Gedankengut machen sich Mainstream-Menschen auch nicht die Mühe, einen kennen lernen zu wollen. Man hat eben keine Bezugspunkte, über die man sich unterhalten kann. Dadurch entstehen dann solche Sachen, dass man abgetan wird und der gegenüber gar nicht begreifen kann, was man für ein tolles Universum in sich trägt.

Aber zum Glück gibt es noch ein paar Menschen wie mich – und da ist es ein leichtes, ins Gespräch zu kommen. Da ist es ein leichtes, Freude zu haben, Dinge miteinander zu erleben und Futter für den unstillbaren Wissensdurst des Geistes zu finden.

Und in diesen Momenten, macht man gerne seine Blubberblase auf, lässt den Menschen hinein und hat eine tolle Zeit. Auf der gleichen Ebene.

Ich bin ein stolzer Alien mit einem eigenen, kleinen Universum – und ich bin dankbar dafür.

Eure Davina

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