Essen war und ist bei mir ein Thema, was mir Freude macht aber auch meine Nemesis ist.

Ich erwähnte es schon hier und da, dass ich nicht gerade die besten Eltern hatte. So spiegelt sich das auch im Essverhalten wider. Schon als kleiner Pimpf wurde mir alles verboten – oder ich musste meinen Teller leer essen, egal wie lange es gedauert hat. Bis ich vor 3 Jahren mit veganer Ernährung anfing, kannte ich weder ein Hunger- noch ein Sättigungsgefühl, oder Unterzuckerung. Essen war mein Trost und mein Hobby und das, was mich am Leben hielt.

Jemand, der so etwas nicht durch machen muss(te), kann das nicht wirklich nach voll ziehen. Es ist, als würde man das Wassertrinken verboten bekommen, wenn man Durst hat – aber trinken muss, bis einem schlecht wird, wenn man keinen Durst hat.

Durch diese Form der Erziehung – alles nicht dürfen, maßlos essen müssen obwohl man satt war, dann essen und das essen was einem die Eltern vorschreiben – habe ich eine deftige Essstörung bekommen. Mein Leben lang war ich auf Diäten, weil meine Familie mir sagte, ich bin nicht in Ordnung. Bekannte. „Freunde“. Die Umwelt. Die Medien. Allesamt sagen einem immer, wie man auszusehen hat, was man zu kaufen hat, wo man mitzuschwimmen hat.

Als ich gerade mal 6 Jahre alt war, setzten meine Eltern mich auf eine „Du darfst“-Diät. Später, als ich dann 10 Jahre und aufwärts war, musste ich das essen, was auf den Tisch kam – und musste sitzen bleiben bis 3, 4 Uhr nachmittags, bis ich den Teller leer hatte. Und hätte kotzen können, da das Essen einfach nicht meins war. Es tat so unendlich weh, dass meine eigene Mutter mich so behandelt hat – mehrfach die Woche.

Bis heute kann ich ein paar Sachen dadurch nicht essen – wie diesen absolut widerlichen Eintopf aus Karotten, Kartoffeln und Rindfleisch, der zu Tode gekocht wurde. Oder Polentaauflauf mit Spinat, Knoblauch und Tomaten. Ich esse alles gern, aber bloß nicht in dieser Kombi!

Mit das Schlimmste an dieser Sache war immer, dass meine Mutter sich alles „gegönnt“ hat – von teurem Serano-Schinken über Parmesan bis hin zu teurer Butter (das war alles wesentlich teurer als heute, das war Anfang der Achtziger) – und wir drei Kinder und mein Vater mussten Margarine essen („Butter ist zu teuer für euch!“ –> Begründung meiner Mutter). Um Belag zu sparen, gab es fast keinen auf dickes Brot, oder es gab Sardellenpaste. „Butter“brot mit Salz war auch sowas, was man da bekam. Während wir immer dicker wurden, weil wir dann allesamt anfingen, heimlich zu essen und uns von Freunden versorgen ließen.

Nun, im Januar 2008 fand ich endlich eine Diät, die für mich (vermeintlich) geklappt hatte: 900kcal am Tag (morgens 1 Joghurt, mittags grüner Salat, abends etwas Warmes ohne Kohlenhydrate), 6x die Woche exzessiven Sport (je 1 – 1 ½ Stunden auf dem Crosstrainer), und trotzdem nahm ich gerade mal 45kg in 4! Jahren ab. Ich sprach vor 3 Jahren mit einem Sportmediziner, der sagte mir, dass ich eigentlich 20-30kg mehr hätte abnehmen müssen, bei dem, was ich angestellt hatte. Ergo, mein Stoffwechsel ist kaputt (ach nee, das wusste ich vorher auch schon *augenverdreh*).

Bis 2012 hatte ich also das Gewicht runter – und habe seitdem mit Knieproblemen zu kämpfen durch den Sport, habe chronischen Mangel an diversen Mineralstoffen und habe mir nicht wirklich was Gutes damit getan. Ich habe mich „kaputt-Diätet“.

Dann kam 2013 der Veganismus dazu – zur Hälfte wegen dem Abnehmen und der Gesundheit, zur anderen Hälfte wegen der Tiere.

Mit dem Veganismus kam aber umso mehr Verzicht, Entbehrung und Frust.

Wo ich mir seit 2008 Kohlenhydrate verbat, Süßes und damals schon eine Aversion gegen Schweinefleisch entwickelte, fielen jetzt auch noch die Hauptbestandteile meiner Ernährung weg – tierisches Eiweiß in Form von Joghurt, Eiern und Milch (Käse war ja auch „zu fett“, weswegen ich den nicht mehr aß) und was blieb war im Prinzip: Nichts.

Gemüse habe ich schon immer leidenschaftlich gerne gegessen, damit habe ich kein Problem gehabt. Der Veganismus hat mir zudem eine ganz neue Welt an neuen Zutaten und Geschmacksrichtungen eröffnet. Dafür bin ich dankbar. Aber der Verzicht und die Entbehrung wurden immer schlimmer für mich.

Gepaart mit der seelischen Belastung, dass ich meiner Mutter beim Sterben zusehen musste (sie ist und war meine Mutter – das innere Kind in mir wird ewig nach ihrer Liebe hungern, auch wenn ich diese nie bekam), plus die ganze seelische Belastung seit Weihnachten letzten Jahres (Rocky totsterbenskrank, Vater ….., Rockys Tod etc.) brachten mich an meine absoluten Grenzen. Ich kann einfach nicht mehr, ich bin vollkommen ausgebrannt.

Ich war schon immer ein Genussmensch. Ich esse Essen, weil es mir Spaß macht. Weil ich den Geruch, die Farbe, den Geschmack toll finde. Alles einfach. Ich habe ein hervorragendes Geschmacksgedächtnis, was mir das vegane Leben ja auch noch so schwer machte, da ich nie vergessen habe, wie echte Salami schmeckt. Oder Brathähnchen. Deswegen war zum Schluss auch restlos ALLES mit Verzicht, Unzufriedenheit und Entbehrungsgefühlen verbunden. Sprich: Ich war totunglücklich.

Seit gut einer Woche (erst!) esse ich aber anders. Und bin überglücklich.

Meine Bekannte hat mir ein Buch empfohlen, was leider im Deutschen den sehr unglücklichen und unzutreffenden Titel „Intuitiv abnehmen“ trägt. Im Englischen heißt es „Intuitive eating“, also „intuitives Essen“ (https://www.amazon.de/Intuitiv-abnehmen-Zur%C3%BCck-nat%C3%BCrlichem-Essverhalten/dp/3442173868/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1467359447&sr=8-1&keywords=elyse+resch)

Das Buch erläutert, wie wir von unserer Umwelt unser natürliches Essverhalten aberzogen bekommen haben. Es zeigt auf, wie Essstörungen und Dauer-Diät-Halten etc. entstehen und dadurch immer mehr körperliche Probleme. Es zeigt in einfachen Schritten, wie man wieder zurück zu einem normalen, intuitiven Essen kommt. Es ist kein Diätbuch. Es ist kein „Du musst aber jetzt das und das tun“-Buch. Sonst wäre es nur ein weiteres „Diät“buch, was nichts bringt und was ich dann auch sicherlich nicht gelesen hätte. Es ist mehr eine Empfehlung, wie man weg von falschen Signalen und Idealen kommt, zurück zu einem gesunden Körper und einer ebenso gesunden Seele. Es geht darum, seine Urinstinkte wieder zu entdecken und zu Essen, wie es der KÖRPER will, und nicht unsere Umwelt. Die Schreibweise ist recht klar und eindeutig und es wird nicht langweilig. Es nimmt den Platz eines Therapeuten ein (ersetzt aber diesen nicht, falls da Bedarf besteht!).

Dieses Buch ist die absolute Offenbarung für mich geworden. Und mein Befreiungsschlag.

Jeder hat sein von der Natur vorgegebenes Gewicht. Isst man intuitiv, reguliert der Körper sich darauf und scheißt dabei auf unrealistische Schönheitsideale 😀 Man muss nicht schlank sein, wenn es einfach nicht geht – weil die Gene es nicht vorgeben!

Ich kann nur empfehlen: Schaut euch dieses Buch an, holt euch die Leseprobe, und kommt zurück zu Genuss und einem guten Leben. Es ist eine Anleitung für jeden Menschen – egal ob dick oder dünn – wieder zur Natur zurück zu finden und zu einem natürlichen Essverhalten.

Ich kann nur sagen, dass sich der erste monstermäßig riesige Knoten letzte Woche Donnerstag gelöst hat. Ich esse seitdem wieder „alles“, was ich mag. Und ich esse nur soviel, wie mein Körper verlangt (meistens). Ich fühle mich grandios, ich darf endlich wieder BROT essen, was ich so unglaublich vermisst habe! Ich habe mir von einem Bauern, den ich kenne, eine kleine Portion Salami geholt, die ich seit mehr als 4 Jahren nicht mehr gegessen hatte – und es war der Himmel auf Erden!

Und was noch besser ist: Ich habe plötzlich nicht mehr das unbändige Verlangen nach Süßkram. Oder Chips. Ich konnte sogar zweimal einkaufen gehen, ohne dass ich dem Entbehrungsgefühl nachgegeben und diese Dinge gekauft habe! Um sie dann – anstatt einer normalen Mahlzeit – in mich hinein zu stopfen!

Ich werde nie aufhören, darauf zu achten, dass ich keine Tiere quäle oder wenigstens so wenig wie möglich. Ich werde auch weiterhin mit einem „Igitt“-Gefühl an industriellem Essen vorbei gehen, weil ich einfach weiß, dass es für mich nicht gut ist. Es tut mir nicht gut. Ich werde weiterhin viel vegan kochen, da das einfach schon immer (in Bezug auf Gemüse) meine Ernährung war. Aber ich verbiete mir nichts mehr. Ich entbehre nichts mehr. Ich verzichte nicht mehr. Und nur das – dass ich mir erlaube zu Essen, was ich will – hat mich so sehr befreit, dass ich glücklich bin und es mir so gut geht, wie seit ungefähr 10 – 15 Jahren nicht mehr!

Ich habe plötzlich wieder Energie! Ich bin plötzlich wieder viel aktiver! Ich habe plötzlich Zeit, weil sich in meinem Kopf nicht mehr ständig alles ums Essen und der nächsten Mahlzeit dreht! Der Schalter ist endlich umgelegt, und ich LEBE wieder.

Nun zum zeitlichen Ablauf: Das Buch hilft bei mir nur so schnell, weil ich einen langen Prozess hinter mir habe, in dem ich mich mit meiner Psyche auseinander gesetzt habe. Ich habe – durch die selbe liebe Bekannte, die mir das Buch empfohlen hat – lange Jahre damit zugebracht, mich mit Meditationen und Übungen etc. auf einen besseren Weg zu bringen. Seit 3 Jahren bin ich in einer Psychotherapie. Ich weiß bei vielen Dingen, was ich tun muss oder wo ich ansetzen muss, damit sich eine Denk- und Gefühlsspirale auflöst. Ich weiß mir selbst zu helfen.

Diesem Prozess, der jetzt so richtig seit etwa 4 Jahren läuft, habe ich es zu verdanken, dass sich der Knoten bei mir so schnell (für´s Erste!) gelöst hat. Und ich freue mich auf alles, was jetzt noch kommt.

Aber zuerst einmal freue ich mich auf meinen Zwiebelkuchen. Den musste ich auch viel zu lange entbehren, VIEL zu lange.

Heute, als ich das hier schreibe, ist Freitag. Mein typischer Einkaufstag. Heute, nach knapp 4 Jahren, werde ich das erste Mal wieder die Zutaten dafür holen. Werde einen wunderbaren Hefeteig machen und den fertigen Kuchen mit all meinen Sinnen genießen – von der Herstellung bis zum Akt des Essens. Und ich bin glücklich.

Eure Davina

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