Ich vermisse Dich und werde Dich immer lieben
Ich vermisse Dich und werde Dich immer lieben

Meine lieben Blog-Begleiter (Follower hört sich irgendwie besser an ^^)

Es ist arg ruhig um mich geworden und mir kommt es vor, als sei ich mich für mein Leben nur noch am „Entschuldigen“.

Ich schulde euch noch einen Bericht über die Salzzitronen – damit habe ich noch nicht einmal angefangen, es sei nur so viel gesagt: Es hat nicht so funktioniert, wie es sollte.

Ich habe eine wirklich schlimme Zeit hinter mir, und bin froh, dass jetzt endlich einmal ein oder zwei gute Tage dabei sind.

Es fing alles schon im Oktober an, als ich wegen einem Mann extra auf ein weit entferntes mittelalterliches Lager gefahren bin – und den totalen Herz-Schmerz-Reinfall erleben musste. Aber – das war an sich eine „übliche“ Lapalie. Am 31.10. dann wurde mein Kater Rocky schwer krank, dann wurde es wieder besser, dann wieder schlimmer. Immer schön im Intervall. Zuerst waren es 2 Wochen Pause, dann 1 Woche, dann nur noch ein paar Tage. Von Anfang an begleitete mich immer ein Gedanke: „Er hat Krebs“. Anfang Dezember ging dann das Mobbing einer Person in der Firma weiter, bzw. es gipfelte. Mein Auto ging kaputt – 8 Tage hatte ich einen Leihwagen, 500€ hat die Reparatur vom Auto gekostet – alles direkt vor Weihnachten.

Mein Vater war bösartig und nicht mehr ansprechbar.

8 Tage vor Weihnachten war es mit Rocky so schlimm, dass ich zum Tierarzt musste. Spritze, Untersuchung, blablabla – und 3 Tage später, am 21.12. so schlimm, dass ich wieder hin musste.

In meinem jugendlichen Leichtsinn hatte ich Ende Oktober auch noch einen Flug nach Hamburg zu meiner Schwester gebucht (grober, ganz grober Fehler!!!) – natürlich über Weihnachten. Das hieß, dass ich noch am 22.12. einen Tierbetreuer engagieren musste. Sie sollte nach meinem Kater schauen – vom 24.12. bis 26.12.

Ich flog mit schlimmstem Gewissen nach Hamburg, erlitt dort noch pünktlich an Heiligabend meine allererste Bindehautentzündung inklusive Notdienstklinik, hatte einen grauenvollen Heiligabend und am 25.12. dann die SMS „Bei Deinem Vater zu Hause (bei Frankfurt a.M.) rührt sich seit 1 ½ Tagen nichts mehr“.

Nachbarn angerufen, die die Polizei gerufen, die ins Haus, Krankenwagen gerufen – Vater war gefallen, lag seit Minimum 1 ½ Tagen in seinem eigenen Dreck vor seinem Bett, alle Tiere halb verhungert.

Er war nicht ansprechbar, hat halluziniert. Und ich saß in Hamburg fest. Ich kam erst am 26.12. spät Nachmittags bei mir zu Hause an.

Zum Glück konnte mein Bruder schonmal am 26.12. dann ins Haus fahren. Vater trinkt wieder – war 28 Jahre trocken. Messie-Haus und Grundstück. Alles verwahrlost und verdreckt. Und warum? Weil er sich nicht helfen lässt. Weil er hochgradig arrogant ist und immer meint, er weiß alles besser. Weil er sich alle seine drei Kinder vergrault hat.

Seine Katzen vollkommen verstört in all dem Chaos und Dreck.

End vom Lied war, dass ich jeden gottverfluchten Tag zu ihm und in sein Haus gefahren bin. Die Nachbarin von ihm – eine Tierschützerin im BESTEN Sinne des Wortes! – hatte sich schon gleich unsere Lilly nach Hause geholt. Sie war so krank, dass wenn sie nicht behandelt worden wäre, sie 4 Wochen später gestorben wäre. Sie ist immer noch nicht ganz in Ordnung. Am 29.12. musste ich die Laufenten und Hühner noch abgeben. Das Meerschweinchen musste eingeschläfert werden. Am 31.12. dann musste ich wieder ins Haus fahren – es hatte sich jemand gefunden, der die anderen 2 Katzen genommen hat.

Hätte ich die Hilfe von Manu (Tierschützerin) nicht gehabt – ich wäre zugrunde gegangen und hätte nicht gewusst, wohin mit den Tieren.

Meine Schwester hat sich schön geflissentlich aus allem rausgehalten, trotzdem sie Urlaub hatte. Ich musste auch meinen ganzen Urlaub – jeden einzelnen Tag davon!!! – für diesen Scheiß opfern! Sie blieb einfach mit ihrem Arsch zu Hause und hat mich dann nur per Whatsapp genervt, wie es Papa geht. Es kam NIE auch nur eine Frage mal nach mir.

Als sie mich dann wieder im Stich gelassen hat, als ich sie um etwas FÜR MEINEN VATER gebeten hatte, kam nur zurück: Ich war bei einer Freundin. Da reichte es mir. „Schön, dass Du ein Leben hast!“ und noch ein paar andere Dinge hab ich ihr dann geschrieben. Noch nicht mal in einem bösen Ton oder mit bösen Worten, aber doch bestimmt und mal mit klaren Worten.

Seitdem bin ich die Böse und sie redet nicht mehr mit mir. Meine einzige Tante hat sie auch noch gegen mich aufgewiegelt. Obendrauf gab es dann noch eine Anschuldigung meines Schwagers, ich hätte angeblich meine Nichte geschubst. Jeder, absolut JEDER der mich kennt weiß, dass ich so etwas im Leben NIEMALS machen würde. Im Gegenteil – ich würde mich eher für ein Kind vor den Zug werfen als jemals Hand anzulegen! Das war übrigens auch noch am 25.12. Ich hatte ihn zur Rede gestellt – keinen Zweck. Ich habe meine Schwester zur Rede gestellt – sie gab zu, nichts gesehen zu haben und dass meine Nichte absolut verneint hat, dass ich das getan hätte. Jetzt plötzlich behauptet sie – da sie meinem Schwager leider hörig ist – dass sie es „mitbekommen“ hätte. Falsches Stück!!!

Nun, mein Schwager hat es ja schon geschafft, dass mein Bruder und meine Schwester seit Jahren nicht miteinander reden; dass meine Tante einen Hass auf ihn hat; dass meine ganze Familie ihn nur duldet. Nun, jetzt hat er es auch noch geschafft, mich zu diskreditieren.

Das Ganze ging dann noch weiter. Am 28.12. war ich wieder beim Tierarzt – dieses Mal bei einem anderen: Zweite Meinung einholen. Der riet mir, einen Ultraschall bei einem Tierarzt machen zu lassen, der das auch kann. Dieser zweite Tierarzt (KLASSE!!!!), hatte auch Sorgen, was mit meinem Herz los sein könnte und vermutete wie ich, das Schlimmste.

Dank meines Vaters aber, kam ich erst am 22.01. dazu, mit meinem Kater zum Ultraschall zu fahren.

Mein Vater kam aus dem Krankenhaus direkt in ein Pflegeheim zur Kurzzeitpflege. In dieser Zeit fanden mein Bruder und ich heraus, dass er seit mindestens einem Jahr wieder trinkt. Dass er Schulden von 75.000€ hat. Das er noch am 23.12. einen Unfall gebaut hat. …. ….. …. es waren noch unzählige Dinge mehr passiert und es musste viel Papierkram erledigt werden …….… noch so viel mehr.

Nun, am 22.01. dann … ich war mit Rocky beim Tierarzt. Ich ging raus während des Ultraschalls, damit ich Rocky nicht noch unruhiger machte. Ich wurde rein gerufen. Mein Kater hatte diverse Darmstellen, die nicht mehr funktionierten. Er hatte krankhaft und großflächig veränderte Lymphknoten.

Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit Krebs.

Der Tierarzt wollte mich zwingen, Rocky zu therapieren – und/oder eine Biopsie machen zu lassen von den Lymphknoten, das heißt Bauch aufschneiden, große OP. Für ihn gab es die dritte Möglichkeit nicht.

Ich bat ihn, die Ergebnisse an meinen Tierarzt Nummer 2 zu senden.

Und ich traf die Entscheidung, dass es nun vorbei sein musste und war.

Rocky war mir am Verhungern. Und er hatte Schmerzen.

Montags dann, am 25.01. rief ich den guten Tierarzt an. Wir machten einen Termin für Freitag, den 29.01. zum Einschläfern. Einen Tag nach meinem Geburtstag. Ein Tierarzt der alten Schule, der lieber ein Tier erlöst, als es aus Geld- und wissenschaftlichen Gründen noch lange zu quälen. Mein Rocky hätte nur noch 2 Monate gehabt. Zwei Monate unter Schmerzmitteln, täglich mehrfachem Erbrechen und Durchfall und langsamen Verhungerns.

Und am 29.01. musste ich dann mein Herz, meinen besten Freund und Weggefährten seit über 10 Jahren, einschläfern lassen. Ich blieb bis zum Schluß bei ihm.

Ich werde diesen Tod nie verwinden. Abfinden, ja – aber niemals wird diese Wunde heilen.

Für euch da draußen, die ihr Familien habt oder Menschen, die euch lieben, wird es auf immer unverständlich sein, wie sehr man an einem Tier hängen kann.

Aber die Liebe eines Tieres, mit dem man auch noch solch eine Geschichte teilte wie ich mit Rocky, ist einfach eine wahre und echte Liebe. Ein Tier ist immer „wahr“. Es liebt Dich bedingungslos, egal wie Du bist. Ein Tier zeigt Dir, wenn es Dich nicht mag. Ein Tier betrügt Dich nicht, ist zu Hause wenn man die Tür aufmacht, begrüßt Dich freudig, freut sich auf Dich, kommt zu Dir und …. nun, es liebt Dich einfach.

Noch nie in meinem Leben habe ich all solche Sachen von einem Menschen bekommen. Auch keine Mutter- oder Vaterliebe (das ist normal in unserer Familie).

Ich war glücklich. Für mich gab es den Begriff „einsam“ nicht, und ich mochte es, oft „allein“ zu sein – in meinem schönen Zuhause mit meinem Kater. Ich war ja nicht einsam.

An dem Freitagabend seines Todes – als ich das erste Mal alleine war – erfuhr ich, was „einsam“ bedeutet.

Mein bester Freund war weg. Und ich einsam zu Hause. All die Kleinigkeiten, die uns verbanden – alles war weg. Totenstille – im wahrsten Sinne des Wortes.

Und zum allerersten Mal in meinem Leben muss ich erfahren, was echte Trauer – Trauer aus Liebe – bedeutet. Was es heißt, das einzige Wesen auf der Welt verloren zu haben, was man bedingungslos geliebt hat und welches bedingungslos zurück geliebt hat.

Als meine Mutter vor 2 Jahren starb, trauerte ich auch – aber es war die Trauer darum, nun alle Hoffnungen auf das kleinste bischen Mutterliebe zu begraben. Es war eine andere Trauer, da meine Mutter ein Tyrann war.

Das hier … das ist etwas, womit ich selbst erst einmal umgehen lernen muss.

Am 06.02. habe ich aus dem Tierheim zwei Kitten geholt – Geschwister, total niedlich, klein und Rabauken hoch zehn. Und ja, das ist das Egoistischste, was ich je in meinem Leben getan habe. Ich ertrage die Einsamkeit nicht. Ich ertrage es nicht, dass meine Lebensaufgabe weg ist (Rocky war ja sein Leben lang pflegebedürftig bzw. mein Sorgenkind mit Spezialfutter etc.). Ich ertrage es nicht, nicht geliebt zu werden. Ich ertrage ein Leben ohne Tiere nicht, da ich mit ihnen aufgewachsen bin.

Seither habe ich mich öfter gefragt, ob ich nicht einen riesigen Fehler gemacht habe. Ob ich den Kleinen gerecht werden kann. Ob es alles richtig war. Aber selbst wenn – ich mache keinen Rückzieher, ich habe die zwei aus dem Tierheim geholt, habe die Verantwortung übernommen und stehe jetzt auch dazu.

Rocky fehlt mir jeden Tag. Nichts und niemand kann ihn ersetzen. Die Zeit heilt nicht die Wunden, aber man verdrängt.

Die Kleinen halten mich auf Trab und machen viel Unfug. Meine Arme sehen aus, als wäre ich unter einen Rasenmäher gekommen (passiert halt beim Spielen und Knuddeln und so ^^).

Mein Vater ist seit Donnerstag wieder in seinem Haus. Jetzt ist es an ihm, ob er weiter säuft oder sich berappelt. Ich muss mit ihm abschließen und will nicht mehr in seinen Scheiß hinein gezogen werden.
Es geht wieder aufwärts? Oder wird es einfach nur erträglicher?

6 Wochen und meine Welt hat sich komplett verändert. Keinen Vater mehr (nicht das ich jemals einen richtigen gehabt hätte), keine Schwester und Tante mehr, mein bester Freund ist weg. Mein Konto ist am Weinen. Meine Arbeit hat gelitten. Ich hatte kein Weihnachten. Kein Silvester. Keinen Urlaub.

Wobei das mit dem Urlaub nicht ganz stimmt – ich hatte letzte Woche frei, sonst wäre ich zusammen geklappt. Ich hätte nicht länger durch gehalten, ohne diese Pause. Außerdem ist es absolut scheiße, wenn man jeden Tag immer wieder mal am Heulen ist – und das auf der Arbeit.

Zum Glück habe ich einen super Chef, der das alles hat mit sich machen lassen. Immerhin kam ich öfter später oder musste früher weg, weil ich zum Tierarzt musste etc.

Ich denke, es dauert eine ganze Weile, bis ich das alles gänzlich verarbeitet habe. Und hoffe, dass es das jetzt war.

Aber, wie die Ironie es so will – ich hatte ein turbulentes Jahr 2015. Ich habe mich dem Versuch verschrieben, ein passendes Gegenstück für mich zu finden. Dabei habe ich mein Erfahrungskonto ziemlich aufstocken können. Eine derbe Enttäuschung war dabei. Ansonsten war es einfach nur sehr aufregend – und hat mich jetzt noch mehr darin bestärkt, keinen Partner haben zu wollen.

Es lief alles soweit gut. Ich war viel mittelalterlich unterwegs. Hatte gute Lager und neue Menschen kennen gelernt. Bis zum Oktober. Da meinte dann eben das Universum, dass ich noch Kapazitäten frei habe. Und Mitte Dezember meinte es dann, das da noch was geht … und noch was … und noch was …

Ich finde, es reicht jetzt. Aber das ist meine Meinung und das Universum lacht sich wahrscheinlich ins Fäustchen und denkt „Ach, Du hast ja keine Ahnung! Wart´s nur ab, was da noch kommt!“

Durch diese ganzen Vorfälle habe ich Menschen getroffen, die begeistert sind, wie ich damit umgehe. Wo ich die Stärke dafür hernehme. Selbst mein Psychotherapeut ist immer wieder fasziniert, dass ich auch immer noch lachen kann und immer noch lebe.

Sollte mir ja eigentlich einen positiven Schub geben. Tut es aber nicht. Ich nehme es einfach nur hin und muss mit allem Leben, denn eine andere Wahl habe ich nicht.

Die Sonne scheint draußen, meine „Mäuse“ nehmen wahrscheinlich gerade in meiner Abwesenheit die Bude auseinander, mein Chef ist nicht da und die Mittagspause ist gefüllt mit Knäckebrot und Tomaten – ist doch eigentlich ganz nett.

Bald ist Feierabend, ich schnabuliere gleich noch ´nen Keks …

Nett. Wirklich nett. Sobald es dann auch mal warm draußen wird, bzw. mal wärmer, wird es auch wieder Spaß machen, das Fenster länger offen zu lassen.

Und vielleicht komme ich dann auch endlich mal dazu, den Bericht zu schreiben über die Salzzitronen. Aber, ein Tipp: Kauft sie euch ^^ Ist auf jeden Fall geschmacklich besser.

Eure Davina

Rocky *30.09.2005 (geschätzt), gestorben 29.01.2016
Rocky *30.09.2005 (geschätzt), gestorben 29.01.2016
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