Tja, Seitan ist so eine Sache. In sehr vielen Foren und Blogs habe ich Berichte gefunden, wo Menschen auf dieses Produkt schwören.

Ich kann das – nach diversen Experimenten – einfach nicht nach voll ziehen. Fleisch war eigentlich immer recht zart, saftig und „mürbe“ – und nicht wie Gummi, was Seitan ist.

Seitan ist das pure Gluten (also Kleber), was als Rest übrig bleibt, wenn man Mehl zuerst zu einem Klumpen Teig verarbeitet und dann die Stärke mit Unmengen Wasser heraus wäscht.

Das was übrig bleibt, ist ein Ersatz-Fleisch.

1. Ich finde es absolut nicht gut, Seitan selbst herzustellen, so wie es viele machen. Das Wasser, was wir dabei verschwenden müssen, ist einfach zu kostbar und auch zu teuer. Seitan-Pulver
gibt es zu kaufen und wurde (wenn es stimmt) unter „ökologischeren“ Bedingungen hergestellt.
2. Seitan muss unerhört stark gewürzt werden, damit auch nur annähernd so etwas wie Geschmack entsteht – da kann ich auch gleich eine Packung Maggi pur zu mir nehmen. (EDIT: Ich bin jemand, der zwar gerne würzt, aber mit Maß. Salz nutze ich zwar, aber eher wenig)
3. Das soll wie Fleisch sein? Es mag sein, dass ich bei meinen Versuchen vielleicht etwas falsch gemacht habe, aber Seitan ist wie Gummi und hat keine schöne Konsistenz. Soja-Medaillons zum
Beispiel haben eine schöne faserige Struktur, sodaß diese durchaus als Hühnchen- oder Schweinefleisch durch gehen könnten. Seitan ist gepresstes Gummi, egal wie ich es zubereite.

Seitanpulver wird klassisch mit einer bestimmten Menge Wasser und Unmengen an Gewürzen zu einem Klumpen verarbeitet und dann in einem Gewürzsud gekocht. Dabei nimmt er Wasser auf und gewinnt teilweise das Doppelte bis Vierfache an Größe dazu (wenn man ihn, wie ich es gemacht hatte, auf dem Herd vergessen hat ^^). Wenn ihr Seitan mal probieren möchtet, dann nehmt unbedingt das Handrührgerät mit den Knethaken um das Pulver mit Wasser zu verrühren! Die Verarbeitung geht damit super schnell und man muss danach wenigstens nur die Knethaken irgendwie sauber kriegen, und sich nicht fragen, ob man jemals seine Hände wieder benutzen kann ^^. Das Pulver ist Kleber – und so hat man auch seinen Spaß, alles, was damit in Berührung kam, wieder sauber zu bekommen. Und demnach geht auch wieder viel Wasser flöten, weil man ja irgendwie sein Kochgeschirr doch nochmal benutzen möchte anstatt sich neues kaufen zu müssen 😀

Meine Versuche:
Ich habe aus dem Buch La Veganista Königsberger Klopse zubereitet. Es ist ein echtes Abenteuer, das erste Mal Seitan zu verarbeiten und es hat auch Spaß gemacht – aber auch viel Zeit in Anspruch genommen. Leider war das Ergebnis ernüchternd.
Das zweite Rezept hatte ich von veganguerilla. Da habe ich Schnitzel/Koteletts gemacht. Seitan bekommt zwar eine ansehnliche Kruste, aber leider ist die wie Gummi und selbst mit einem scharfen Messer hatte ich Schwierigkeiten, hindurch zu kommen.
Das dritte Mal habe ich dann einen Sauerbraten gemacht. Klassisch mit den Gewürzen und dem Gewürzsud für mehrere Tage eingelegt. Wieder ein Reinfall. (Die Soße war sagenhaft – das „Fleisch“ eklig, weil Gummi)
Das vierte Mal habe ich Geschnetzeltes gemacht. Hat auch nicht funktioniert.
In allen Fällen habe ich einfach nicht genügend Geschmack in den Seitan bekommen, trotzdem ich esslöffelweise Grillgewürze etc. zugefügt habe und dann war die Konsistenz einfach nur wie schlecht zubereitete Kalamari. Oder Flummis. Oder Gummibänder.

Das einzige, was in Anbetracht der Konsistenz funktioniert hat, waren die Königsberger Klopse und das nur, weil hier der Seitan zuerst zu Hackfleisch verarbeitet wurde.

Die Zubereitungsart der Klopse fand ich umständlich und auch „verkehrt“, denn der Geschmack im Seitan kommt von den Unmengen an Gewürzen, die hinein müssen. In dem Rezept wird das Pulver pur zu einem Teig verarbeitet, der dann erst in die Küchenmaschine mit den Gewürzen kommt und zu Hackfleisch verarbeitet wird.

Im Nachhinein habe ich dann erst gelesen, dass so ziemlich alle Mit-Experimentierer direkt das Pulver würzen, da ansonsten einfach gar kein Geschmack aufgenommen wird.

Also, habe ich die nächsten Male das Pulver stark gewürzt. Hat aber auch nichts geholfen.

Die Konsistenz des fertigen Seitan war nach wie vor wabbelig-gummiartig und von den ganzen Gewürzen, die ich hinein gemixt hatte, war fast nichts mehr zu schmecken. Wobei ich aber nach dem Verzehr schnell einen schrecklichen Durst bekam und mir die Nieren weh taten, weil einfach ZUVIEL Gewürzmischung und Salz dran war.

Nach dieser Litanei: Wenn ihr mal für euch heraus finden und erleben wollt, was Seitan in der Küche ist, kann ich die Zubereitung empfehlen, denn es ist wirklich mal was ganz was anderes. Ansonsten würde ich ihn nicht mehr machen.

Die Enttäuschung ist einfach zu groß und der Arbeitsaufwand steht in absolut keiner Relation zum Ergebnis.

Übrigens: Die Klopse haben am ersten Tag nach fast nichts geschmeckt und erst als ich nach 3 Tagen die Reste gegessen hatte, haben sie an Geschmack gewonnen gehabt und würziger geschmeckt. Aber wer will bitte mindestens 3 Tage warten, bis er essen kann?

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