Dieses Land übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf mich aus.

Richtig angefangen hat das, als ich das erste Mal in Irland war. Irland ist wunderschön. Der Himmel hängt tief, es gibt alle möglichen und unmöglichen Variationen von Grüntönen und die Menschen sind eine echte Sache für sich.

Ich war angesteckt von den Inseln, also entschieden eine Bekannte und ich, das nächste Mal Schottland zu erkunden.

Und da war es dann um mich geschehen.

Der Urlaub an sich hätte nicht schlechter starten können – wir sind von Hahn aus geflogen, ganz früh am Morgen. Und ausgerechnet drei Tage vorher hat mich eine Grippe volle Breitseite erwischt. Das war übel.

Vollgepumpt mit Pillchen und mit Fieber flogen wir nach Edinburgh (ausgesprochen Ädinborro). Als wir gelandet waren und ich den ersten Blick auf die Hügel in der Ferne geworfen hatte … den tiefblauen Himmel mit den Wattewolken und das Grün und das Heidekraut gesehen hatte … da war es um mich geschehen.

Und in dem Moment, als mein Fuß den Boden des Rollfeldes berührte war es, als hätte mich ein Magnet festgesaugt … als wäre ein Puzzle ganz – als wäre ich nach Hause gekommen.

In meinem Leben gab es bisher nur einen Ort an dem ich immer wieder das „nach Hause kommen“-Gefühl hatte. Aber seit diesem Tag, als ich das erste Mal schottischen Boden berührte, habe ich gefühlsmäßig eine zweite Heimat gefunden. Ich fühle mich dort wahrhaft zu Hause.

Die unter euch, die eine Affinität zu den nordischen Ländern haben, können vielleicht nachvollziehen, was so unglaublich schwer zu beschreiben ist. Denn Worte reichen kaum aus um die wahre Schönheit dieses Landes zu beschreiben.

Es gibt kurz vor Glen Coe – einem Tal in dem einige geschichtsträchtige Dinge passiert sind – ein weiteres Bergtal – Glen Etive genannt.

Es führt eine 15km lange Single Track Road* durch eine raue hügelige Landschaft bis an die Spitze von Loch Etive – einem wunderbaren See**. Dort ist ein Parkplatz an dem man das Auto drehen kann um dann wieder zurück zu fahren.

In Jahrtausenden, Jahrmillionen, haben sich die Berge dort erhoben und das Wasser Täler gefräst. Raue Berge, saftig tiefgrün bewachsen, die Wolken hängen so tief, das man meint, sie küssten die Hügelkuppen und das Gestein, das aussieht, als sei es mit tausenden Diamanten durchzogen … Das war meine allererste Begegnung mit den Highlands, die mich absolut zutiefst berührt und auch geprägt hat.

Ich fühlte mich winzig angesichts dieser rauen Vulkanlandschaft, und doch hätte ich die ganze Welt umarmen können, wären nur meine Arme lang genug gewesen. Ich war frei. Ich war zu Hause.

Seither war ich nun (leider erst) viermal da – und fliege endlich wieder Ende Mai diesen Jahres hin. Und ich kann es nicht erwarten!!!

Ich hatte eine Zwangspause einlegen müssen von ca. 2 ½ Jahren, und ganz ehrlich – das ist scheußlich gewesen. Ja, erklärt mich für verrückt, aber ich habe Heimweh nach Schottland.

Hätte ich die Möglichkeit, ich würde sofort meine Sachen packen und gehen. Versteht mich nicht falsch – ich habe hier ein tolles Leben: Freunde, einen guten Job, absolut tolle Hobbies und eine wunderschöne Wohnung; aber meinem Herz, dem fehlt etwas.

Und ich bin nicht so naiv zu glauben, es würde alles noch besser werden, wenn ich da wäre. Oh nein, dazu bin ich viel zu realistisch und kenne zu viele Leute, die dort seit mehr als 5 Jahren leben und alle zurück wollen. Aber ich möchte trotzdem hin.

Die Luft ist rein, man hat es nie weit bis zum Meer und trotzdem die Berge rundherum – und dann sind da ja noch die Schotten. Schotten sind toll. Da gibt es echtes Testosteron, dem man nachsabbern kann bei den Highland-Games. Männer die noch so aussehen wie Männer und einer Frau vermitteln, dass er einen Bären mit den bloßen Händen erlegen kann. Die ausgezeichnete Küche (ja, tatsächlich!!!) zu guten Preisen und alles frisch. Man kann besser und günstiger dort einkaufen als hier. Man bekommt geholfen, wenn man Hilfe braucht – auch wenn nicht ^^. Und diese süße Sprache ….. *seufz*

Die Schotten sind herzlich und offen und jederzeit zu einem kleinen Plausch bereit, vor Allem, wenn man etwas über ihre Heimat wissen möchte.

Natürlich gibt es auch genug, die nicht so sind. Aber das ganze Gefühl, das ganze Land, wirkt warm und freundlich. Nicht so wie hier, wo wir in einer Ellbogengesellschaft leben und das auch nach außen tragen und wie die Sardinen eng aneinander gepfercht leben.

Alleine beim Autofahren merkt man das auf der Insel schon. Ich fahre gerne und schnell und auch relativ rabiat und ich will auch voran kommen – wenn ich hier bin. Leute, die dahin schleichen oder den Führerschein im Lotto gewonnen haben, lassen mich ins Lenkrad beißen.

Aber dort? Dort ist das wie weggeblasen. Ok, ich fahre nach wie vor schnell denn es macht einen tierischen Spaß auf der falschen Seite zu fahren, ABER:

a)     Es gibt nicht soviel Verkehr wie hier, wenn man mal von den Großstädten absieht

b)    Es geht alles verständnisvoller zu

c)     ¾ der Autofahrer, die ich erlebt habe, waren äußerst zuvorkommend

Es ist einfach eine andere Welt und wenn man das Land und alles dort selbst erlebt hat, kann man nachvollziehen, warum Nessie, Feen, Kobolde und andere Fabelwesen und Geister „existieren“. Das Land ist magisch und es verwandelt einen.

Mein bester Freund hatte zu seinem Abschluß eine von diesen scheußlichen Bustouren in SCO geschenkt bekommen (meiner Meinung nach nur Abzocke) und natürlich hat er sich gefreut wie ein Keks.

Ich hatte ihn mehrfach gewarnt, dass wenn er einmal da war, er nicht mehr weg will und sich sofort verlieben wird. „Ja, ja.“ war da nur die Antwort.

Und, was ist passiert? Kaum war er den zweiten Tag da, bekam ich eine SMS deren Inhalt ungefähr das aussagte: Du hast vollkommen Recht.

Ich freue mich immer wieder wie ein Schneekönig wenn sowas passiert. Ich freue mich, wenn Menschen verstehen, wovon ich da erzähle und auch wenn sie es emotional verstehen.

Und ich kenne eigentlich fast niemanden persönlich, der nicht von dem Schottland-Virus infiziert worden ist – nachdem er das erste Mal dort war.

Jetzt habe ich sehr viel mehr geschrieben als ich wollte, aber ihr seht, das ist wirklich eine große Herzenssache von mir.

Ich kann nur jedem raten – der schon mal über die Inseln nachgedacht sich aber noch nicht getraut hat – einfach hinzufahren. Vorzugsweise natürlich nach Schottland 😉

Und denkt immer dran – sagt nie zu einem Schotten er wäre ein Engländer – das löst einen Krieg aus und ihr fliegt achtkantig aus dem Land ^^.

Ich werde mit der Zeit noch mehr über mein Traum-Land schreiben, über die Gepflogenheiten, wie man am besten Leben kann trotz kleinem Budget und was man so alles anschauen sollte – und ich hoffe, ihr werdet mir folgen.

Das nächste Mal möchte ich meinen Senf dazu geben, wie man für ca. 800 – 900 € einen Komplett-Aufenthalt für 8 Tage haben kann – mit all meinen Tipps und Tricks, die ich bisher so angewendet habe – vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen.

Eure Davina

*Eine Single Track Road ist eine einspurige Straße, die sogenannte Passing Places hat – Buchten, in denen man anhält, um den Gegenverkehr vorbei zu lassen.

**Loch, schottisch für tiefen See. Das ch wird ausgesprochen wie in „Koch“

Glen Etive
Glen Etive
Glen Etive am Anfang
Glen Etive am Anfang
Loch Etive
Loch Etive
Glen Etive auf dem Rückweg
Glen Etive auf dem Rückweg
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